Jens Titus Freitag
Jens Titus Freitag - Biografie
1963 geboren in Dortmund

bis 1989 Hilfsarbeiter Kraftfahrzeugschlosserlehre Bauarbeiter
1989-99 Kunststudium an der HbK Saar
1990-93 Mitarbeit am "Mahnmal gegen Rassismus - 2146 Steine"
in Saarbrücken mit Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz
1999 Otto-Weil-Kulturpreis der Stadt Friedrichsthal
2001 Arbeitsstipendium Kunst- und Kulturverein AKKU Aschersleben
seit 1993 lebt und arbeitet freischaffend inBallweiler/Saarland
Einzelausstellungen
2001 Friedrichsthal anläßlich des "Otto Weil Kulturpreises"
Kunst & Kulturverein
Aschersleben Arbeitsstipendium
Villa Kobe - Halle / Saale
Galerie Zeitweise - Berlin
2002 Galerie am Ratswall - Bitterfeld
In den Kunstsammlungen
- Stadt Limburg / Lahn
Kunstverein - Schwedt
/ Oder
Orangerie - Blieskastel
2003 Freie Akademie der Künste - Hamburg
Campus Galerie - Bayreuth
Gruppenausstellungen
2001 Lange Museumsnacht Moritzburg - Halle / Saale
Galerie Jacob - Halle
/ Saale - mit Moritz Götze
"Fenster" -
Projekt des Künstlerhauses 188 - Stadtzentrum Halle / Saale
Stadtgalerie Saarbrücken
- Gast des saarländischen Künstlerbundes
2002 Orangerie - Blieskastel
Art Frankfurt - Galerie Sandmann
+ Haak
Onkel Martin Coverausstellung
- Halle / Saale
2003 Villa Vauban - Luxemburg
2004 "Durchs
Loch gesehen", K4 galerie, Saarbrücken
2005 "Aus
der Serie", K4 galerie, Saarbrücken
Messen
2004 ART
Frankfurt (K4 galerie)
Jens Titus Freitag - Werkbeschreibung
Wintermärchenmaschine
Jens Titus Freitag besitzt einen alten unförmigen Mercedes Kastenwagen.
Das Automobil hat ein kleines Loch in der rechten Seitenwand. Das Automobil
mit dem Loch in der Wand ist eine Maschine, mit der Zeit eingefangen wird.
Im Inneren des Kastens wird auf der linken Wand ein großes Photopapier
befestigt. Wenn der Verschluss von dem kleinen Loch entfernt ist, und
Licht in den Kasten fällt, lässt Jens Titus Freitag das Auto
einfach stehen. Die Maschine wird dann in Ruhe gelassen, sie arbeitet
stundenlang. Ihre Arbeit heißt Ignoranz. Alles was sich schnell
bewegt, wird getilgt aus der Zeit. Alles Langsame hinterlässt bloß
Schatten. Nur was sich nicht rührt, das bleibt, es erstarrt und wird
scharfkantig. Schatten werden Licht, rechts wird links. Der Kasten ist
ein langsames, müdes Gerät, das Schwarz und Weiß vertauscht.
Ist das belichtete Papier entwickelt, hat sich der helle Tag in eine
nächtliche Winterlandschaft verwandelt. Die Camera obscura ist eine
Wintermärchenmaschine. Selbst die zweifelhafteste Architektur verzaubert
sie zu in Frost erstarrten Glashäusern. Der Parkplatz vor einem Supermarkt
liegt da in der Melancholie einer langen stillen Winternacht. Alles wirkt
zerbrechlich wie Glas. Es sind Bilder, in denen man sucht. Die Details
haben magische Wirkung. Die Schatten besitzen einen Tiefensog. Man sieht
all die Dinge, alle Strukturen klar und hell, die sonst im Dunkeln verborgen
sind. Das Alltägliche wird fremd.
Freitags Arbeiten haben die Ruhe und Statik der ersten Photographien
aus dem neunzehnten Jahrhundert, sie zeigen eine menschenleere Stille.
Es ist der Blick aus dem Guckloch einer Zeitmaschine, wenn mit einer hoffnungslos
veralteten Technik auf unsere Gegenwart geschaut wird. Selbst solch komplizierten
Sachverhalte, wie die Krümmung des Raumes, werden sichtbar, wenn
das Photopapier im Inneren des Kastens an die Decke gebogen wird. Seine
Tretroller sind Bilder von Geisterspielzeug. Sie gleichen Röntgenaufnahmen.
Da ist die Camera obscura nicht nur eine Nachahmung des menschlichen Auges,
die Dunkelkammer simuliert Gedächtnis.
Rüdiger Giebler
Jens Titus Freitag - Abbildungen
 
links: Dreirad, 2003, 60 x 60 cm - rechts: blauroter Roller, 2003, 60
x 60 cm
 
Bohrmaschine 1, 2004, 60 x 60 cm - Bohrmaschine 2, 2004, 60 x 60 cm
 
links: Tauchermofa, 2000, 60 x 80 cm - rechts: Tasstretauto, 2003, 60
x 80 cm

PCK - thermische Crackanlage, 2002
127 x 325 cm
Glashaus Bayreuth, 2003
127 x 252 cm
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Schacht Velsen, 2003
230 x 127 cm
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Gasometer Fürstenhausen, 2002
228 x 123 cm |
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